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Gurdjieff Die Geschichte des Institutes

Vaugirard, 1922 (diktiert)

Als den frühesten Anfang des Institutes kann das Jahr 1895 betrachtet werden, als sich drei Touristen durch Zufall in Ägypten bei den Pyramiden trafen. Als sie herausfanden, dass sie alle drei Russen waren, wurden sie gute Freunde und entschieden sich, ihre Reise durch Ägypten gemeinsam fortzusetzen. Ihre Konversationen, die sie führten, während sie den Nil auf und ab wanderten und zu den Ausgrabungen des alten Thebens reisten, ermöglichte es jedem von ihnen zu erkennen, dass die Fragen, die sie berührten, schon alle drei vorher beschäftigt hatte, wie sich später auch bewies.

Alle drei waren vor diesem Treffen weit gereist.

Der erste, Prinz L., war schon in Indien, Tibet und Belutschistan gewesen. Weil er wohlhabend war und ein leidenschaftlicher Suchender, hatte er es geschafft Orte zu besuchen, die kein Europäer vor ihm betreten hatte. Er hatte seine Reisen vor zehn Jahren begonnen, gleich nach einem Unglück, das ihn heimgesucht hatte – der Verlust einer geliebt Person. Dieses Ereignis brachte ihn zum Spiritismus. Weil er ein Mensch mit forschendem Verstand war, machte die erste Begeisterung bald einer ernsten Suche platz. Nichts befriedigte ihn in seiner Umgebung und der verfügbaren Literatur. Beeinflusst durch die vorherrschende Meinung in Europa, dass Indien das Land der Wunder sei, wo eine Antwort auf seine Fragen gefunden werden könnte, entschied er sich dorthin zu gehen. Indien enttäuschte ihn, aber er verlor nicht die Hoffnung das finden, was er suchte. Von diesem Moment fingen seine Reisen an und er kam nur zu kurzen Besuchen nach Russland zurück.

Der zweite war seit seiner Jugend von der Archäologie angezogen. Weil er ein energischer Mensch war, wurde er sofort nach dem Ende seines Universitäts-Studiums zum Assistenz-Kurator eines bekannten Museums ernannt und wurde oft auf archäologische Expeditionen geschickt. Vor diesem Treffen hatte er an Ausgrabungen bei Delhi, in den Tälern des Hindukusch, in Ani (Armenien), bei Babylon und andere besucht. Im Moment war er, mit einer archäologischen Mission, im alten Theben. Persönlich aber interessierte er sich hauptsächlich für Dolmen, über die er alle Informationen sammelte und dafür weder Zeit noch Geld scheute.

Der dritte und jüngsten von ihnen, Gurdjieff, interessierte hauptsächlich für Magie. Er hatte seine Jugend viel Kontakt mit Völkern wie den Yezidis, den Assyrern und den Appicles (oder Annicles). Ständig begegneten ihm Phänomene und Traditionen, an denen kein forschender Verstand je ohne unzählige Fragen vorübergehen könnte.

Folgendes mag als Beispiel solcher Phänomene dienen. Ein Kreis, der um einen Yezidi gezogen wird, macht es ihm unmöglich aus diesem herauszutreten. Nicht wegen eines religiösem Aberglaubens, sondern tatsächlich. Bei den Annicles wird ein junges Mädchen, das verheiratet werden soll, bestimmten Manipulationen ausgesetzt und danach ins Wasser geworfen. Das daraus resultierende Phänomen, unerklärbar für die europäische Wissenschaft - das Mädchens ist leichter als Wasser und geht nicht unter. Wenn sie untergeht steht es fest, dass sie nicht zum Stamm gehört. Bei den Assyrern gibt es ein Phänomen Egungashah (Hellsehen) genannt. Untersuchungen zeigten, dass sich kein einziger Fall solchen Hellsehens als falsch herausstellte. Und so weiter.

Der kritische, skeptische und doch forschende Verstand von Gurdjieff konnte nicht an solchen Phänomenen vorübergehen, ohne eine Erklärung zu finden. Mit dieser Absicht gab er sich gewissen Studien hin, die es alle erklären würden. Er fing an Physik zu studieren, Chemie, Maschinenbau, Psychologie und so weiter. Aber das Studium der verfügbaren Literatur brachte ihm nicht das gewünschte Ergebnis. Denn vom Gesichtspunkt dieser Wissenschaften waren die Phänomene, die ihn interessierten, gegen die Naturgesetze. Aber dies machte die Tatsache ihrer Existenz nicht weniger real. Gurdjieff verließ jedoch nie sein ursprünglicher Wunsch. Er gab die Bücher auf und fing an nach Leuten zu suchen, die seinen Wunsch befriedigen konnten. Dies war der Anfang seiner Wanderungen, die ihn vor diesem Treffen nach Persien, Afghanistan und die Türkei führten. Der gleiche Grund brachte ihn nach Ägypten.

Ihre Eindrücke austauschend....

(unfertig)

von Olga de Hartmann gibt es eine vollständigere Version dieser Geschichte (in Our Live with Mr. Gurdjieff), die hier ergänzend herangezogen wird:

… kamen sie zu dem Schluss – dass „etwas“ Absolutes existierte, sie aber nicht genügend Wissen darüber besaßen, um es zu verstehen. Sie gerieten aufgrund dieses Mangels an Wissen immer wieder in Schwierigkeiten. Das bewies ihnen, dass es absolut notwendig war, zuerst dieses Wissen zu erwerben – ein Wissen, das alle Seiten des Lebens umfasst. Die Tatsache, dass sie alle gleichermaßen danach gestrebt hatten, ließ sie die Notwendigkeit erkennen, die Natur ihrer Suche zu ändern. Zuerst mussten sie ihre Ziele verstehen und dann ihre Suche nach Wissen von Beginn an neu starten.

Alles zu wissen war für diese drei zu viel. Alle Religionen, alle die Geschichte, all das spezielle Wissen über das Leben zu erwerben, war für drei Leute innerhalb ihres kurzen Lebens nicht möglich. Aber ohne dieses Wissen würden sie immer wieder auf Hindernisse auf ihrem Weg treffen.

So kam ihnen die Idee Leute mit unterschiedlichstem Wissen anzusprechen. Und wieder standen sie vor einem Problem, denn wenn diese Leute nicht dasselbe Ziel und Interesse haben würden, wäre auch deren spezielles Wissen nutzlos. Unterschiedliche Spezialisierung ohne diesen Hintergrund würde nichts bringen.

Sie machten einen Plan, um diese nötigen Leute zu finden und wie sie diese in ihrem materiellen, wie spirituellen Leben leiten und vorbereiten würden.

Mit diesem Ziel trennten sich die drei Männer und gingen unterschiedliche Wege. Das Ergebnis war das Treffen von fünfzehn Leuten. Unter ihnen waren Orthodoxe, Katholiken, Juden, Buddhisten und Moslems. Sie besaßen Wissen in den mechanischen Wissenschaften, Chemie, Gartenbau, Astronomie, Archäologie und Philosophie. Es waren auch Frauen unter ihnen, jeder seinem speziellem Fachgebiet verpflichtet.

Sie gingen alle nach Persien, so wie es geplant war und von dort, mit all ihrem angesammelten Wissen, gingen einige von ihnen 1899 über Kaschmir, Tibet und Ceylon nach Indien. Die anderen gingen über die Türkei und Arabien nach Palästina. Als ihren gemeinsamen Treffpunkt wählten sie Kabul in Afghanistan. Nach vielen Jahren trafen sich zwölf, von den ursprünglichen fünfzehn, wieder. Drei von ihnen waren auf den Reisen umgekommen.

Sie entschieden sich nach Chitral zu gehen, im Nordwesten Pakistans. Am Vorabend der Abreise starb der Russe und während der Reise wurden einige von ihnen, als sie die Berge überquerten, von den dort ansässigen wilden Stämmen gefangen und versklavt. Diese Mitglieder erreichten niemals das Ziel, dass sie sich selbst gesetzt hatten.

Einige Zeit später erreichten nur vier, von den ursprünglichen zwölf, Chitral. Sie erreichten, was sie sich vorgenommen hatten. Drei Jahre später kehrten sie nach Kabul zurück. Dort begannen sie erneut gleichgesinnte Leute anzusprechen, um mit ihnen zusammen zu leben. Das war der Beginn des heutigen Institutes. Schnell versammelten sich viele Leute um sie und jeder teilte mit den anderen die Resultate seiner schwierigen Suche. Fünf Jahre später zogen sie nach Russland und setzten dort ihre Arbeit fort. Aber aufgrund der dortigen politischen Zustände war es bald für sie nicht länger möglich dort ihre Arbeit fortzusetzen.

Seit Kabul war es für diese Leute nötig gewesen zusammen zu leben. Nicht aus materiellen Gründen, sondern als Mittel um schneller etwas „Höheres“ zu erreichen, wesentlich schneller jedenfalls, als wenn jeder für sich gearbeitet hätte.

                                              übersetzt von Frank Brueck 

 

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